Dynamische und seismische Auslegung von Maschinenfundamenten
mit STAAD.Pro
Die dynamische Berechnung von Maschinenfundamenten stellt
ein Sondergebiet des Bauingenieurwesens dar, da neben den
üblicherweise statisch wirkenden Belastungen auch zeitlich
veränderliche Einwirkungen berücksichtigt werden
müssen. Während früher aufwendige Handrechnungen
erforderlich waren, um zuverlässige Aussagen über
das Schwingungsverhalten einer dynamisch belasteten Konstruktion
treffen zu können, lassen sich heute durch den Einsatz
leistungsfähiger FEM-Programme in vergleichsweise kurzer
Zeit verschiedene Varianten einer Struktur berechnen. Somit
werden auch Optimierungsmöglichkeiten in dynamischer
und statischer Hinsicht erreicht. Ziel einer dynamischen Berechnung
eines Maschinenfundaments ist, primär einen resonanzfreien
Lauf der auf dem Fundament montierten Maschinenkomponenten
zu garantieren. Dazu gehören die Ermittlung der Eigenfrequenzen
des Fundamentes sowie die Berechnung der Betriebsamplituden
unter Betriebsunwuchtanregung, Generatorkurzschluss und seismischer
Belastung.

Als Material für Maschinenfundamente wird in der Regel
Stahlbeton verwendet. Jedoch kommen mitunter auch Stahlfundamenten
in Hohlkastenbauweise zum Einsatz. Die Fundamente werden entweder
direkt auf dem Baugrund aufgelagert (Blockfundamente), stehen
auf Stützen (Tischfundamente) oder werden schwingungsisoliert
auf Federelementen gelagert (Federfundamente). Stellvertretend
für eine Vielzahl ausgeführter Fundamente wird nachfolgend
die dynamische Berechnung für das Tischfundament eines
Turbosatzes mit einer Leistung von ca. 100 MW erläutert.

Das Fundament (Aufstellungsort Indien) hat Abmessungen von
16.50/8.00 m bei einer mittleren Dicke von 2.00 m. Die vier
Eckstützen haben die Abmessungen 90/90 cm, die beiden
Mittelstützen 90/110 cm. Die Stützenlänge beträgt
8.40 m. Das Gewicht der Tischplatte beträgt ca. 6600
kN. Zusätzlich sind noch die Eigengewichtslasten aus
Turbine und Generator mit ca. 2600 kN zu berücksichtigen.
Die Betriebsdrehzahl beträgt n = 3000 min-1 (50 Hz).
Die Idealisierung der Struktur erfolgt mit dreidimensionalen
Stab- und Schalenelementen mit sechs Freiheitsgraden der Verformung
je Knoten. Die erforderlichen dynamischen Berechnungen wurden
mit dem Programm STAAD.Pro durchgeführt. Sie umfassen
die Ermittlung der Eigenfrequenzen des Fundamentes und der
Schwingungsgeschwindigkeiten unter Unwuchtanregung. Weiterhin
werden die Antworten des Feder-Masse-Systems unter Erdbebeneinfluss
ermittelt, wobei auf vorliegende indische Antwortspektren
zurückgegriffen wird. Die sich aus den unterschiedlichen
dynamischen Belastungen ergebenden Schnittgrößen
werden mit den entsprechenden Werten aus der statischen Berechnung
überlagert und für die Bemessung des Fundamentes
mitberücksichtigt. Durch die volldynamische Schnittkraftermittlung
lässt sich die Eigenfrequenzcharakteristik des Fundamentes
genauer erfassen als mit den üblicherweise verwendeten
Ersatzlastverfahren.

Bauingenieur, Band 78, November 2003
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