Schwingungsdämpfung von Fußgängerbrücken
am Beispiel der neuen Fußgängerbrücke über
die Bayerstraße in München

Fußgängerbrücke zur Querung der Bayerstraße
in München |

Perspektivische Ansicht der Tragstruktur in der Untersicht |

Kritische 2. Eigenform mit f2 = 2,28 Hz |

Berechnete Beschleunigungsverläufe in Brückenmitte
mit und ohne Schwingungsdämpfer |
Fußgängerbrücken verfügen im Sinne einer
ästhetischen Gestaltung in vielen Fällen über
schlanke Tragstrukturen, die durch regulären Fußgängerbetrieb
zum Schwingen angeregt werden können. Schwingungen werden
von Passanten häufig als unangenehm empfunden, so dass
zur Gewährleistung eines uneingeschränkten Nutzungskomforts
definierte Grenzwerte der zu erwartenden Beschleunigungen eingehalten
werden müssen. Wenn die Grenzwerte der tolerierbaren Beschleunigungen
nicht durch die Strukturdämpfung erreicht werden können,
sind häufig zusätzliche Dämpfungsmaßnahmen,
z.B. durch Einbau von Schwingungsdämpfern, erforderlich.
Das Programmsystem STAAD.Pro gestattet
mit der Durchführung von Time-History-Analysen mit wirklichkeitsnahen
Anregungsfunktionen für die Beschreibung der Einwirkungen
aus Fußgängerbetrieb die numerische Ermittlung
der Eigenformen und der zugehörigen Eigenfrequenzen,
gleichzeitig aber auch die Bestimmung der Auslenkungen, Schwinggeschwindigkeiten
und Beschleunigungen. Durch die Integration von Schwingungsdämpfern
im Berechnungsmodell lässt sich deren Wirkung zielgerichtet
analysieren. Damit gestattet das Programmsystem durch seine
Funktionalität eine optimale Konfektionierung der Schwinungsdämpfer.
Die exemplarisch vorgestellte Fußgängerbrücke
zur Überquerung der Bayerstraße in München
besteht aus einem bogenförmig gekrümmten, räumlichen
Fachwerk aus Feinkornbaustählen S690 mit kraftschlüssig
angebundener Gehwegplatte aus Stahlbeton. Das System verfügt
über folgende Abmessungen:
Länge: 38,0 m
Gehwegbreite: 3,00 m
Sowohl aufgrund der messtechnisch verifizierten Schwingungsintensitäten,
als auch bedingt durch die Verwendung ermüdungsempfindlicher
Feinkornbaustähle musste die Brücke mit Schwingungsdämpfern
ausgestattet werden. Dabei war der architektonischen Gestaltung
der Brücke durch die Forderung seitens des Bauherren
Rechnung zu tragen, dass die Schwingungsdämpfer vollständig
in der Stahlbetonplatte mit einer Dicke hc = 18 cm zu integrieren
waren.
Es wurden dynamischen Analysen zum Schwingungsverhalten
mit folgenden Zielen durchgeführt:
- Berechnung der Eigenformen und zugehörigen Eigenfrequenzen
einschließlich der Massenpartizipationsfaktoren vertikal
sowie in Längs- und Querrichtung im Ausgangszustand
- Ermittlung der maximalen Beschleunigungen für Belastungskonfigurationen
durch Fußgänger mit verschiedenen Schrittfrequenzen
(Gehen/Laufen)
- Untersuchung der Beschleunigungen unter regulärem
Fußgängerbetrieb und bei bewusstem Aufschaukeln
mit implementierten Dämpfern
- Optimale Konfektionierung der Dämpfer unter Berücksichtigung
der Restriktionen in Bezug auf die Abmessungen der Schwingungsdämpfer
Für die Aufgabenstellungen wurde ein Berechnungsmodell
erstellt, bei dem das räumliche Fachwerk der Tragstruktur
durch Stabelemente und die Gehwegplatte mit Flächenelementen
modelliert wurde. Die Belastung wurde durch Kraft-Zeit-Funktionen
in ungünstiger Anordnung auf dem Gehweg aufgebracht.
Durch die Implementierung der Schwingungsdämpfer in das
Berechnungsmodell konnte eine optimierte Konstellation mit
3 spezifisch gestalteten Schwingungsdämpfern erarbeitet
werden, die in vorhandenen Ausnehmungen in der Gehwegplatte
untergebracht werden konnten.
Mangerig und Zapfe,
Beratende Ingenieure GmbH
Schlierseestraße 73
D-81539 München
Tel.: +49 (0)89 62000022
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Stahlbau, Heft 10, Oktober 2005 |